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Das Clubmitglied persönlich

Mitglieder erinnern sich:

  • Dr. Max Ruckstuhl sen.         

  • Rosita Jost                        

  • Hans Baumann                   

Interviews: Klaus Schuhmacher

 


Vom Privatplatz zur Tennisanlage des Tennisclub Dietikon

(Dr. Max Ruckstuhl)

Der Mann verkörpert den mobilen Optimismus. Wann und wo immer der fast 90jährige – am 28. Januar nächsten Jahres ist es soweit – auftaucht, leuchtet es aus seinen Augen, stecken seine lebensbejahenden Gesten seine Umgebung an. Max Ruckstuhl, in Genf geborener und Französisch als seine Muttersprache reklamierender Apotheker, weist auf seine sportlichen Wurzeln hin: „Mit dem Fussball fing alles an. Und weil ich als junger Mann, der zwischen dem 9. und 16. Lebensjahr ein katholisches Kollegium in Fribourg besuchte, physische Qualitäten hatte, begann ich mit dem Tennisspiel. Selten aber unter Anleitung eines Lehrers.“ Früh geknüpfte Bande zum damals noch „weissen Sport“, liessen ihn auch auf dem privaten Dietiker Strohmeier-Tennis-Court, hin und wieder ein Paar Bälle schlagen. Auf ein Zeitungsinserat hin, hatte Max Ruckstuhl inzwischen in Dietikon eine Apotheke übernommen. Diskret spielte der Vater von zwei Söhnen die damals recht elitäre Aura des Tennis herunter: „Wir waren ein kleines Grüppchen um Walter Brem und Edgar „Tischi“ Tischhauser, das sich natürlich schon bewusst war, dass Tennis ein gehobener Sport war“.

Die Idee, einen Club und damit eine Tennisanlage zu realisieren, ergab sich wohl aus der Situation, bis dahin nur über einen privaten Platz zu verfügen. So entstand in den 60er Jahren der Tennis-Club Dietikon. Vorerst mit vier Sandplätzen im Fondli, später dann mit deren sechs. In Max Ruckstuhls Augen blitzt urplötzlich wieder tiefe Erinnerungsfreude auf: „Wir hatten damals im Vorstand eine Sekretärin namens Anneli Muntwyler, die zwar kein Tennis spielte, aber dafür ihre Vorstandskollegen immer wieder mal zu tollen Festen in ihr Ferienhaus nach Emmetten einlud.“

Junioren spielten zu jener Zeit, als der TC Dietikon noch eine Warteliste für Neumitglieder verwaltete, keine Rolle. Heinz Haist, ein sehniger Typ aus dem Schwarzwald war die unbestrittene Nummer 1 im Club. Max Ruckstuhl, später hin und wieder einmal doch unter Anleitung eines diplomierten Tennislehrers trainierend, platzierte sich auf der klubinternen Rangliste hinter ihm.

Aber auch damals – in Fronarbeit hatte man bei der Erstellung des Clubhauses kräftig mit angepackt – bildeten sich schon kleine Interessengruppen innerhalb des Vereins. Eine von ihnen war der Molotow-Club, der nach der Arbeit auf dem Court einem Kartenspiel gleichen namens frönte.

Die Öffnung des Tennis zum Breitensport kommentiert der Anhänger von Pfarrer Kneipps Wasserheilkunde diskret wie es seine Art ist so: „Der Sport ist populärer geworden, eine Verrohung der Sitten und Gebräuche nicht zu übersehen.“ Kein Grund indessen für den an den verschiedensten Körperstellen bereits mit medizinischen Ersatzteilen lebenden Max Ruckstuhl von diesem Sport Abschied zu nehmen. „Es macht Spass innerhalb der Dietiker-Schlieremer-Seniorengruppe periodisch zu spielen, zumal diese Interessengemeinschaft auch eine soziale Aufgabe wahrnimmt“, weiss der Tennisveteran, der deshalb keineswegs mit hölzernem Schlägermaterial von Anno-Dunnemal antritt, sondern immer noch flott seine moderne Kunststoffkonstruktion dem Ball entgegenführt. Tief empfundener Respekt überkommt mich, als ich mich von Max Ruckstuhl verabschiede. Menschen wie ihn, hätten wir gerne in grösserer Stückzahl. Alles Gute Max!

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Aus der Stadthalle zum Tennisclub Dietikon

(Rita Jost)

 

Nein, die ganz grosse Liebe bedeutete der Tennissport für die geborene Zürcherin wohl nie. Muss ja auch nicht sein. Grazil von Wuchs und mit wachen dunklen Augen bewegt sie sich vor oder hinter dem Tennisball. Ganz wie man es sehen will. Den Bezug zum Tennissport leitete vor mehr als 20 Jahren ein durchaus nachvollziehbarer Gedankengang ein: der ehemals weisse Sport könnte ja durchaus etwas für Mann und Sohn sein. Und weil die katalanischen Wurzeln der Maturantin und ausgebildeten Informatikerin (fast wäre aus Rosita eine Simultandolmetscherin geworden) zur Umsetzung und nicht zum Philosophieren mahnten,  wurde sogleich ein Anfängerkurs bei jenem Dr. Startl gebucht, der in der Stadthalle ebenso sein Wesen wie sein Unwesen trieb. Offensichtlich aber funktionierte der etwas eigenwillige Vermittlungsstil des tschechischen Übungsleiters.

Rosita – notabene Jahrgang 48 –, die samt Ehemann eher zufällig als gezielt („Es wurde hier gerade ein Haus frei“) von Wädenswil an die Limmat dislozierte, wurde beim TC Dietikon vorstellig, um Erlerntes auch in entsprechendem Umfeld praktizieren zu können. Selbstverständlich benötigte sie dazu nebst dem Entgegenkommen des damaligen Vorstands auch jene sportspezifischen Textilien, welche man auf Neudeutsch jetzt wohl Outfit nennt. Also auf zu Schaeren-Sport, wo Chefin Margret nicht nur Umsatz machen wollte, sondern für Rosita auch zu jener Person wurde, welche sie im damals noch als elitär geltenden Tennisclub einführte – und auch mit ihr spielte.

Geschlossen hat Rosita im Verlaufe von zwei Dezennien zahlreiche gute Bekanntschaften. Doch Familie, Beruf und wohl auch die Ausrichtung auf andere Aufgaben (Schulpflege usw.) liessen die TCD-Anlage im Fondli nie zu einer alternativen Aufenthaltsmöglichkeit für einen längeren Zeitraum werden. Spielen, etwas trinken oder essen, ein Schwätzchen in Ehren – aber kein Tagesausflug. Und so geriet auch die Idee einer Interclub-Teilnahme nie über das Stadium des Andenkens hinaus. Rosita verstand Tennis immer als temporär auszuführendes Hobby, nicht als jenes mit umfangreichem Zeitverdrängungscharakter.

Die Co-Geschäftsführerin des traditionsreichen Zürcher Restaurants  “Emilio“, natürlich geprägt von spanischer Küche, erinnert sich gerne an jene Zeit, als Anlagepfleger Rainer Hiltmann zur stets freundlichen Institution wurde. Diese Anmerkung klingt bei Rosita Jost aber keineswegs wehmütig, sondern als nachrichtenähnliche Mitteilung – zeitlos, aber nicht wertlos.

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Als es noch besetzte Schiedsrichterstühle gab

(Hans Baumann)

 

Ein Kontakt mit ihm ist allemal befruchtend. Entweder er liest einem auf dem Court sportlich die Leviten um hinterher anzuführen, dass man gut gespielt und er viel Glück gehabt habe – was bei einer 2:6-, 1:6-Niederlage ein hohes Mass an verbalem Geschick verlangt – oder er verliert sich schnell einmal im Gespräch über Gott und die Welt in eine dozierende Attitüde. Allerdings, ohne aufdringlich zu wirken.

Hans Baumann, Jahrgang 37, gehört zu jenen Erstmitgliedern unseres 1960 gegründeten Clubs, die nie einer Vorstandsriege angehörten. Vielleicht weil er Vielen nicht unbedingt als bequemer Zeitgeist erscheint. Auf jeden Fall aber, weil er nie angefragt wurde, die Geschicke des TCD mit zu beeinflussen.

Sportlich tat er dies dafür um so intensiver. Er gehörte zusammen mit Heinz Heist, Reini Schröter, Hans Lambrich und Max Ruckstuhl jener Interclub-Mannschaft an, die erstmals auf der Mannschaftsliste des nationalen Verbandes erschien. Die Grundbegriffe für sein rational-analytisches Spiel hatte sich der damalige Maturant Baumann, der sich sein Studium bei der Rentenanstalt verdiente, auf den Plätzen seines Arbeitgebers vermitteln lassen. Heinz Bättig hiess sein damaliger Lehrmeister vor und hinter dem Netz. Uebrigens: das versale B zierte damals so manches Racket eines TCD-Spielers (oder einer Spielerin), weil der Meister der sanften Vorhand nicht nur Unterricht erteilte, sondern auch für Sport-Schaeren Schläger bespannte. Und weil Hans Baumann – und daran hat sich bis zum heutigen Tage nicht viel geändert – von schneller Auffassungsgabe ist, brachte er es rasch zu jenem Standard, der ihm einen Platz im Interclubteam sicherte. Dabei wurde weiland noch unter Aufsicht von Schiedsrichtern gespielt, welche die hoch aufragenden Stühle besetzten.

Es war die Zeit, bevor sich der Tennissport einer breiten Öffentlichkeit anbot. Die Mitglieder rekrutierten sich noch fast ausschliesslich aus Einwohnern der Stadt Dietikon. Bis später andere (Leistungs)-Kriterien anfingen, eine Rolle zu spielen. Schliesslich wollte man im Interclub Furore machen. Aber zu dieser Zeit (mit Udo Wöhning und einigen anderen Cracks) war Hans Baumann schon nicht mehr im ersten Glied.

An einen anderen, in jeglicher Hinsicht verbindenden, Umstand erinnert er sich gerne. Tennisbällle, gemeint sind jene ohne Filzhülle, wurden früher noch in Zusammenarbeit mit dem TC Schlieren durchgeführt. Stark frequentiert, dank der treibenden Kraft von Marcel Schweitzer und Sekretärin

Anneli Muntwyler. Warum sich Hans Baumann dieser Anlässe so gut erinnert? Schliesslich sorgte er mit seiner Band für den musikalischen Rahmen.

Mit Fug und Recht lässt sich Hans Baumann als Multitalent mit taktzuweisenden Eigenschaften beschreiben. Beruflich rechnete man ihn der Champions-League zu, im Tennis, Fussball und Skifahren verkörperte er stets ein recht gutes Niveau und als langjähriger Besitzer eines Pilotenscheines baute er – so quasi nebenher – noch massstabgetreue High-Tech-Modellflieger.

Auf die Frage, was denn nun den TCD der 60er Jahre vom heutigen Club unterscheide, antwortet der Mann mit dem profunden Allgemeinwissen in verschlüsselter Klugheit: „Früher waren es alles Clubmitglieder, heute gibt es zu viele Platzbenützer.“ Ein Patentrezept, dem Schwund an Aktivmitgliedern Einhalt zu gebieten, hat aber auch der langjährige, initiative Präsident des FC Dietikon nicht parat. Die sozialen Strukturen der Stadt Dietikon und der Umstand, dass praktisch alle umliegenden Gemeinden über Tennisanlagen verfügen, verschärfen die diesbezügliche Problematik. Die Musik spielt eben nicht mehr in höchsten Tönen für den Tennissport unserer Region, was wiederum Hans Baumann kaum davon abhalten dürfte, seine Künste auf dem Saxophon einem Publikum oder seinen Schülern zu vermitteln.

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